Forschungsplan

Damit ökonomische Ungleichheit einer Gesellschaft valide untersucht werden kann, sind umfassende Daten von hoher Qualität nötig. Die zunehmende Verfügbarkeit und die Nutzung von Administrativdaten für die Forschung ist in diesem Zusammenhang eine interessante Entwicklung der letzten Jahre. Die im Rahmen von administrativen Prozessen entstandenen Daten können jedoch nicht ohne weiteres für die Forschung genutzt werden. Dazu müssen verschiedenste rechtliche und technische Fragen geklärt werden und es braucht grosse Sorgfalt in Bezug auf die Klärung konzeptioneller Anforderungen an die Daten. Steuerdaten bieten ein grosses Potential für die Ungleichheitsforschung. Auf der Basis von Steuerdaten hat sich bspw. ein Teilgebiet der Ungleichheitsforschung mit dem Fokus auf Top-Einkommen etabliert. Für gesamtgesellschaftliche Ungleichheits- und Armutsstudien konnte das Potential bisher jedoch bei weitem nicht ausreichend genutzt werden. Im Rahmen des hier beschriebenen Projektes wollen wir ausgewählte kantonale Steuerdaten der Schweiz gezielt mit weiteren Administrativ- und Befragungsdaten verknüpfen, um somit eine Datenbasis zu erstellen, die diese Potenzial ausschöpft und neuartige Möglichkeiten zur Beantwortung von Fragestellungen im Bereich der Ungleichheits- und Armutsforschung eröffnet. Die Datenbasis soll acht Kantone (mit mindestens je einem Vertreter pro Grossregion der Schweiz) umfassen und den Zeitraum von 2010 – 2015 abdecken. Damit kann überprüft werden, wie die im Vorgängerprojekt festgestellte Zunahme der Ungleichheit zwischen und innerhalb von Kantonen einzuordnen ist und wie sie sich weiterentwickelt hat. Eine Vertiefung dieser deskriptiven Analysen umfasst die Analyse der Ungleichheit nach sozio-demografischen Merkmalen wie Haushaltstypen, Migrationshintergrund und sozialer Herkunft, um zu einer umfassenden Deskription von Ungleichheits- und Armutsstrukturen zu gelangen. Der dritte Schritt widmet sich der Analyse von Umverteilungseffekten des Steuersystems und verschiedener wohlfahrtsstaatlicher Instrumente. Fiskalische Instrumente der Umverteilung stellen die direkteste Möglichkeit dar, gesellschaftliche Ungleichheiten zu beheben. Diese sind in der Schweiz durch erhebliche kantonale Variation gekennzeichnet, was interessante Vergleichsmöglichkeiten eröffnet, insbesondere was den Einfluss der sozialpolitischen Ausgestaltung auf die Ungleichheit betrifft. Hier besteht ein ausgewiesener Forschungsbedarf.

Folgende Forschungsfragen stehen im Fokus:

  1. Wie ungleich sind ökonomische Ressourcen in der Schweiz verteilt?
  2. Wie ausgeprägt ist das Ausmass an Armut und Armutsgefährdung?
  3. Zeigt die neue Datenbasis neue Erkenntnisse im Vergleich zur bestehenden Forschung?
  4. Welche Erkenntnisse zur Ungleichheit und zu Armut können aus der gemeinsamen Betrachtung der Einkommens- und Vermögensverteilung gewonnen werden?
  5. Wie hängt Ungleichheit und Armut zusammen mit zentralen soziodemografischen Kategorien wie z.B. sozialer Herkunft, Beruf, Bildungs-, und Haushaltssituation?
  6. Wie wirksam ist die Umverteilung verschiedener wohlfahrtsstaatlicher Instrumente zur Reduktion von Ungleichheit und Armut?